Woche 62 Kiew/UA – Vinnytsia/UA

Montag

Heute steht die Zweitagestour nach Tschernobyl an. Was für Leute machen da so mit? Nur Freaks, Computerspieler und Geschichtslehrer? Ja. Die Frauen sind leicht in der Überzahl, hätte ich nicht gedacht. Die eine kriecht regelmäßig in U-Bahnen und Kanalisationen umher, Lehrerin aus Australien. Dann noch ein App Programmierer aus Hongkong, eine weitere Australierin, das Fotopärchen aus Schweden, die spanischen Architekten aus den Niederlanden, die Schickimikischwedin, das Finnische Lehrerpaar und Ich. Unser Fahrer Dimitri und noch unsere Führerin Anastasia. Mit ihren Tattoos und Kleidungsstil definitiv als Freak einzuordnen. 😀 Man soll ja Menschen in keine Schubladen stecken, ist mir egal. Die Truppe ist definitiv gut zusammengewürfelt. Dann kann es ja losgehen. Die australische Kanaltante kommt ein bisschen zu spät und wir warten brav. Da ist es schön dass es zwei Tage geht, da haben wir es nicht so eilig wie bei einer Tagestour. Bis zum Sperrgebiet fährt man auch noch zwei Stunden. Am Mittag geht’s dann endlich los, wir betreten die Zone.
Haben sie einen schönen Bergepanzer hier hingestellt, der wurde garantiert nicht benutzt. Sonst wäre er verstrahlt und auf einen der Fahrzeugfriedhöfe, die man auch heute noch nicht betreten kann.

Über eine ehemals breite Straße geht’s zum Haus der Kultur in diesem kleinen Dorf.

Der Lada sieht schon ein bisschen mitgenommen aus, aber ich bin mir sicher der fährt noch. Immerhin hat er schon den neuen Photosynthesemotor eingebaut!

Dann gibt’s noch ein fast unberührtes Holzhaus. Das selbst in der Sowjetunion auf dem Kalender von 1983 „Happy New Year“ stand wundert mich doch. Ist es doch die Sprache vom Feind!

Dann kommen wir das erste mal nach Tschernobyl Stadt dürfen kurz einen der letzten Lenin Statuen in der Ukraine knipsen und fahren dann weiter in das Hotel zum Essen. Hier wird nicht gegeizt. Ich bin der einzige am Tisch der aufisst. 😀

An manchen Stellen in der Zone gibt’s so lustige gelbe Schildchen, da kann man dann mit dem Geigerzähler hingehen und der fängt an zu piepsen. 12 Mikrosievert pro Stunde. Nicht viel, dient eher dazu, das die Leute die Zähler mieten.

Ein Kindergarten ist dran.

Und dann sind wir auch schon in Sichtweite des Reaktors mit seiner schönen neuen Hülle und nebenan die nicht fertiggestellten Blöcke 5 und 6.

Nochmal von Nah.

Ortsschild von Prypiat und die lustigen gelben Schildchen.

Seziertisch und Zubehör.

Steckdose!

Nächste Station: Krankenhaus. Es gibt ja einige Arten der Entbindung. Aber ob das die richtige Stelle dafür ist? 😀

In diesem Krankenhaus wurden die Feuerwehrleute behandelt die als erste am Unglücksort waren. Selbst die Ärzte bekamen Strahlenschäden an den Händen. Der Keller wo die Behandlung stattfand darf auch heute nicht betreten werden. Dafür gibt’s ein Stück Stoff der Feuerwehrmänner in der Lobby.

Raststätte am Fluss, hier gibt’s auch leckere Äpfel. Sehen jedenfalls lecker aus.

Theater

Raus geht’s auf den großen Platz. Das Hotel ist sehr bekannt. Leider immer noch geschlossen.

Und die Schatten aus Hiroshima wurden auch hier an den Wänden angebracht. Anastasia erzählt immer interessante Dinge und zeigt ab und zu ein paar Fotos wie es vor der Katastrophe aussah. Prypiat war eine der modernsten Städte der Sowjetunion!

Wir treffen unseren Fahrer und diesen Fuchs. Für die Tier- und Pflanzenwelt war es langfristig keine Katastrophe, im Gegenteil.

Im Supermarkt wird wieder geschossen.

Es gibt schon ein paar schöne Graffitis. Das erste erinnert mich an einen gewissen Präsidenten.

In der Turnhalle sieht man dann schon das berühmte Riesenrad.

Und so sind wir dann auch gleich dort.

Die Natur holt sich alles zurück. Das sieht man besonders am Stadion. Die Tribüne ist klar zu erkennen, das Fußballfeld ist aber nur noch ein Wald.

Und als wir auf das Dach der Plattenbaus steigen sieht man auch nochmal wie zugewachsen alles ist.

Außerdem sieht man die damals Ultra geheimen Geheimantennen des Duga 1 zwischen den Häusern. Wird natürlich auch noch besucht.

Reaktor 3 mit der Riesen Hülle ist auch nicht zu übersehen.

Inneneinrichtung Sowjetstyle. Lang lebte die Sowjetunion! 😀

Besonders diese Bilder: klares Wasser, unberührte Natur, Fortschritt und sauberer Strom. Soweit die Theorie. Das Ergebnis ist leider ein anderes.

Auf zu der nächsten Schule. Mit Schwimmbad und den Kindergasmasken.

Und dann war der erste Tag auch schon vorbei. Es geht zum Hotel und es gibt wieder Essen. Wird natürlich alles von außerhalb der Zone gebracht, zumindest piepst kein Geigerzähler in der Kantine. Gutes Fassbier haben Sie auch und so ist es noch ein gemütlicher Abend in der Gruppe.

Dienstag

Tag 2 in Tschernobyl. Aber nicht ohne Frühstück. So regelmäßiges Essen bin ich gar nicht mehr gewöhnt.
Erst gehen wir in den kleinen Supermarkt, jeder gibt 1 € und wir kaufen ein paar Lebensmittel. Und anschließend geht es raus in ein kleines Dorf südlich von Tschernobyl Stadt. Hier ist die Kontamination gering und nachdem die Leute auch nach der 20. Evakuierung wiederkamen hat die Regierung ihnen erlaubt zu bleiben.
Wir treffen direkt eine Bewohnerin am Brunnen, sie freut sich sehr über den Besuch und muss schon mal kein Wasser schleppen.

Und dann werden gleich mal ein paar Gürkchen gewaschen und der Tisch gedeckt. 2. Frühstück. 😀 Die Nachbarin hat uns auch bemerkt und kommt vorbei.

Die Babuschkas singen uns dann noch ein paar alte Lieder und erzählen von ihrem Leben in der Zone. Die Männer schon länger gestorben verbringen sie die Sommer hier, im Winter leben sie in Kiew bei ihren Familien. Sie sind froh über uns Besucher, es gibt ihnen Abwechslung und Lebensmittel werden auch gerne genommen. Der letzte Fahrende Händler war vor 2 Monaten hier….
Was darf nicht fehlen? Wodka! Erst heißt es ist Tradition einen zu trinken. Dann ist es auf einmal Brauch drei zu trinken. Wenn das so ist. Dann kommt auch unsere Fahrer nicht drum rum. 😀

Der Kompott und die Himbeermarmelade waren so lecker. Kein Vergleich zu dem gestrecktem Zeug zu Hause aus dem Supermarkt.

Unser Guide und die Babuschka sind ein Herz und eine Seele. Wie lange Freunde. Dabei sehen sie sich zum ersten mal.


Wir laufen wieder vor zum Auto, dort wartet aber die Nachbarin und bietet uns auch noch was zu Essen an. Kann man nichts machen, da müssen wir alle durch. 3. Frühstück 😀

Nach dem Besuch der Self Settlers geht es wieder Richtung Tschernobyl und dann links ab.
Jetzt gehen wir auf das Gelände der Duga 3 Sendeantennen. Sieht groß aus.

Durch die Fahrschule geht’s.

Und egal wo man hinschaut, links Antenne, rechts Antenne.

Dem Kontrollzentrum näherkommend, findet man immer mehr Elektronik. Diese Sendeantennen hier waren zur Erkennung von Raketen und anderen Metallobjekten. Und zwar Weltweit! Dazu wurde durch die Sendeantenne ein Signal ausgesendet, welches abwechselnd zwischen Erde und Atmosphäre im Zickzack um die Erde zurückreflektiert und wieder ankam. Hat funktioniert, nur brauchte man am Anfang 2 Stunden zur Berechnung. Bis dahin dürfte die Rakete auch durch den Einschlag entdeckt worden sein.

Im Kontrollzentrum wird es Futuristisch. Man sieht meistens nur die Kabelschächte wo die Computer und Elektronik stand.

An Propaganda fehlt es natürlich auch hier nicht. Lang lebte die Sowjetunion!

Um bei dem harten Klima an der Anlage arbeiten zu können wurde auf der gesamten Länge dieser Schacht gebaut.

Und dann steht man direkt unter der Anlage.

Tonnen hochqualitativer Stahl der sich in die Höhe schraubt. Vieles wird ja geklaut, aber diese Anlage wird extra bewacht. Der Stahl soll nicht irgendwo verkauft werden.

Das Gelände hat auch eine Feuerwache. Nur einer hält hier noch den Laden zusammen.

Anastasia meint nur: Das passiert mit Touristen die zu weit weg laufen.

Auf der Fischfarm wurde untersucht welchen Einfluss die Radioaktivität auf Fische und andere Tiere hat.

Und als letztes Highlight die Kühltürme für die nicht Fertiggestellten Blöcke 5 und 6.

Auf dem Rückweg kommen wir noch mal an dem Mahnmal der Feuerwehrleute und dem Ortsschild vorbei.

Dann geht’s durch die letzte Kontrolle und nochmal zum Touristenshop. Wie sollte es sein, die Frauen shoppen als gäbe keinen Morgen. Ich kaufe zwei kleine Klettaufnäher. Die Damen kaufen Rucksäcke, Taschen, Überlebensset mit Nahrung, Sticker und beraten sich noch ob so eine Gasmaske auch ein nettes Souvenir wäre.

Mittwoch

Ruhetag.

Donnerstag

Heute mach ich noch mal eine FreeWalkingTour. Diese ist heute nicht so gut. Es liegt halt nicht jedem.

Die Liebesbrücke ist mein Highlight. „Ich liebe Borscht.“ Kann auch nur von einem Mann kommen. 😀

Freitag

Und nach einer Woche Kiev und der Pause in Bangkok geht es mal wieder auf’s Fahrrad.

Samstag

Sonntag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.